Thriller und Krimis / Thriller
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Limit
Autor(en): Frank Schätzing
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Preis: 26
ISBN: 978-3-462-03704-3
Erschienen: Oktober 2009
Durschnittliche Bewertung:
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Preis: 26
ISBN: 978-3-462-03704-3
Erschienen: Oktober 2009
Durschnittliche Bewertung:
Buchauszug:
Von Unruhe elektrisiert, war Jericho hergefahren, um Zhao zur Rede zu stellen, der sich in diesen Sekunden vorbeugte, um mit dem Jackenärmel etwas von den Armaturen zu wischen - so wie er das Display in Jerichos Wagen poliert hatte.Alles passte zusammen.
Cherokee Wangs Mörder, unmittelbar vor seiner Flucht aus dem World Financial Center. Im eleganten Maßanzug, mit getönter Brille, falschen Schnurrbart und Perücke, die seine ebenmäßigen Züge vorübergehend in das Antlitz Ryuichi Sakamotos verwandeln, beugt er sich vor und wischt über die Steuerkonsole des Silver Dragon. Doch Jericho hat nicht richtig hingesehen, denn tatsächlich erinnert er ihn weder an einen japanischen Popstar noch an ein Model, sondern die ganze Zeit über an -
Zhao Bide.
Er hat den Killer auf Yoyos Fährte gelenkt.
README Buchbesprechung:
Autor: avb, Datum: 09.10.2009Buch-Bewertung:
Frank Schätzing brauchte sich um die Verkaufszahlen seines neuen Romans keine Sorgen zu machen. Erstens ist er Kommunikationsfachmann, der von der Pressekollegen geschätzt und gern interviewt wird, und zweitens bestellten über 320.000 Fans "Limit" schon vor seinem Erscheinen am 5. Oktober 2009. Zu Recht?
Mit 1320 Seiten ist der Roman noch weit dicker als "Der Schwarm", die spannende Geschichte von einer Meeresintelligenz, die Rache an den Menschen nimmt. Weil aber Schätzing, wie er selbst sagt, stark vom Kino beeinflusst wurde, besonders von den Filmen Stanley Kubricks, und immer schon zum Mond wollte, spielt die verwickelte Geschichte jetzt zum größten Teil auf auf dem Erdtrabanten. Und in Shanghai.
Es geht um den Abbau von Helium2 auf dem Mond, DEM Energieträger der Zukunft. Es geht um Julian Orley, CEO des Technologieimperiums Orley Enterprises, reichster Mann der Welt, Erbauer des Weltraumfahrstuhls, über den das Mondhelium schnell zur Erde kommt und Orley mit einer exklusiven Reisegruppe ins Mondhotel Gaia. Und es geht um Owen Jericho, der seinen Lebensunterhalt in Shanghai als Cyber-Detektiv verdient plus seine Nichtfreundin Chen "Yoyo" Yuyan, Gründerin der Internet-Dissidenten-Truppe Die Wächter, Sängerin in einer Neo-Prog-Band und Disssidentin, die ein (fast) tödliches Geheimnis aus dem Internet fischt. Das Ganze spielt in den Jahren 2024 und 2025, in absehbarer Zukunft also.
Fast die Hälfte des Buches geht drauf, um die Protagonisten vorzustellen (auch schon ziemlich spannend) und Verbindungen zwischen Julian Orley, Owen Jericho und Yogo zu schaffen. Der eine rast mit seinen Gästen - entweder superreich oder superberühmt und alle ausführlichst mit ihren Neurosen vorgestellt - derweil Richtung Mond, der andere sucht die so schöne wie widerspenstige Yoko plus einen chinesischen Killer - und kommt zusammen mit ihr einer Verschwörung auf die Spur. Die wird wahrscheinlich? vielleicht? möglicherweise? von China durch die Partei? korrupte Beamte? chinesische Unternehmen? initiiert, um den Heliumabbau durch Orley zu sabotieren.
Zu den Mitspielern gehören ein (oder sogar zwei?) Mini-Nukes, kleine aber ziemlich wirksame Atombömbchen in Koffergröße aus Nordkorea, die von einer schweren Depression geplagte Tochter Julians, die das Mondhotel Gaia aufgebaut hat, ehemalige und aktuelle Dissidenten in China, eine Umweltschutzorganisation in Alaska, zuverlässige und verräterische Geheimdienstler plus Söldner, für die Geld die einzig wahre Motivation darstellt. Und natürlich, ausführlich, Frank Schätzings Glaube, dass wir unseren blauen Planeten schleunigst besser behandeln müssen als bisher.
Das Schöne an diesem Buch: Der Autor hat die Fakten sehr sorgfältig recheriert - über einen denkbaren Weltraumfahrstuhl, den Heliumabbau auf dem Mond (samt seiner zerstörerischen Wirkung auf unseren Erdtrabanten), die Auswirkungen einer neuen Energiequelle auf die großen Ölkonzerne und Öl verkaufenden Staaten. Zum Beispiel. Und er hat daraus einen spannenden Thriller gemixt, der nur zwei Fehler hat: 1. mischt Schätzing arg viel und arg lang ausgebreitete Laienspychologie unter die an sich wirklich gut konstruierte und entsprechend interessante Geschichte: Von wenigen Ausnahmen abgesehen leiden alle Mitspieler unter einer verkorksten Kindheit, an der, natürlich, lieblose Eltern schuld sind. Und 2. versucht sich der ehemalige Kreatrivchef der Werbeagentur Intevi zwischendurch an literarischen Beschreibungen von Landschaften und Stimmungen, die er besser echten Dichtern überlassen hätte. Weil sie nicht in einen (meist) sehr rasant geschrieben Thriller passen und nicht wirklich gut sind. Eher überflüssig.
Macht nichts. Netterweise hat er Psychotherapie und dichterische Anläufe so geschickt in den Spannungsbogen eingebaut, dass der Leser sie diagonal lesen kann. Ohne den roten Faden zu verlieren. Und dann ist "Limit" wirklich gute Science Fiction, nämlich vorstellbare Zukunft, über die sich das Nachdenken lohnt.

