Historisches / Sachbücher
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Unmasked: Die letzten Jahre des Michael Jackson

Autor(en): Jan Halperin
Verlag: Hoffmann und Campe
Preis: 17,99
ISBN: 978-3-455-50142-1
Erschienen: Herbst 2009

Durschnittliche Bewertung: Bewertung: 0 von 5 Sternen

Buchauszug:

Als ich kurz vor Weihnachten 2008 in meinem Prominenten-Blog ianundercover.com enthüllte, dass Michael Jackson unter einer lebensbedrohenden Krankheit litt, löste diese Nachricht ein wahres Beben in den Medien aus. ... Am 24. Dezember zitierte mich das Magazin In Touch mit der Aussage, Michael Jackson habe "noch sechs Monate zu leben." Jacksons offizieller Sprecher Dr. Tohme Tohme wies meine Einschätzung noch am selben Tag als "frei erfunden" zurück und versicherte, der Sänger sei bei "guter Gesundheit". Die meisten Medien glaubten seiner Darstellung, und die öffentliche Aufregung legte sich wieder. Sechs Monate und einen Tag später war Michael Jackson tot.

Die Übersetzung von "Unmasked" ins Deutsche stammt von Stephan Gebauer und Michael Bayer.

README Buchbesprechung:

Autor: avb, Datum: 27.10.2009
Buch-Bewertung: Bewertung: 0 von 5 Sternen
Ian Halperin ist DER investigative Journalist par excellence. Er lebt von der Aufdeckung sorgsam verborgener Skandale, sieht sich als Verteidiger der Unschuldigen und Rächer an den Bösen. Michael Jackson war ein ideales Opfer für ihn, Superstar auf der einen Seite, zweimal als Kinderschänder angeklagt auf der anderen. Zumindest nannten seine Ankläger das weltweit bewunderte Pop-Idol so, und Ian Halperin glaubte ihnen.

Vier Jahre lang recherchierte er, studierte Prozessakten, befragte selbst Zeugen und stocherte in dem Nebel, mit dem der Sänger sich gern umgab. Oder von seinen Leuten umgeben wurde. Das Ergebnis:

Aus dem Jackson-Verächter Halperin wurde, zögernd, beinahe unwillig, ein Michael-Fan, denn er stellte fest: Jackson wurde schamlos ausgenutzt. Und miserabel beraten. Und von einem kalifornischen Staatsanwalt verfolgt, dem es nur offiziell um Gerechtigkeit ging oder um den Schutz von unschuldigen Jungen vor einem bösen Sexmonster, in Wirklichkeit aber um den eigenen Ruhm. Denn der war bei einem Prozess gegen den globalen Superstar natürlich garantiert. Das Interessante daran für deutsche Leser, selbst wenn sie Michael Jackon nicht heiß verehren, sondern nur seine Lieder gern hören:

Nach unserem Recht wäre Michael Jackson bestimmt nicht vor Gericht gestellt worden, denn immer neue Zeugen, auch die betroffenen Kinder sagten: Ja, sicher, wir haben in einem Bett geschlafen, in unseren Schlafanzügen. Ja, wir waren zusammen im Swimmingpool, aber nie ohne Badehosen (Nacktbaden gilt in vielen Staaten der USA als obszöne Handlung und ist verboten). Wir haben zusammen gespielt, uns nichts Böses dabei gedacht und sehr viel Spaß gehabt.

Warum dann die Anzeigen bei der Polizei? Laut Ian Halperin weil die Eltern von Michaels Spielkameranden mehr von ihm wollten, als er nach einiger Zeit zu geben bereit war. Fand er einen neuen Kinderfreund, lud er den alten (und seine Familie!) nicht mehr nach Neverland oder Las Vegas ein, sein reiche Geschenkeregen wurde erst zum Rinnlas und blieb dann ganz aus. Und das wollte manch ein verwöhntes Elternpaar nicht hinnehmen.

Viele amerikanische Gesetze sind, wenn es um Sex geht, mehr als verklemmt. Die zuständigen Polizisten, Staatsanwälte und Richter auch. Da wird aus einer fröhlichen Pyjama-Party bei Coca, Chips und Petzer-Pan-Film leicht eine Orgie, aus dem gemeinsamen Schlaf im Riesenbett des Stars sexuelle Verführung. Jan Helperins sorgfältige Recherchen zeigen: Michael Jackson wurde das Opfer einer spezifisch amerikanischen Angst, die Prozesse gegen ihn waren das Ergebnis einer allgemeinen Sex-Hysterie mit sehr konkretem finanziellen Hintergrund.

Dem brillanten Journslisten geht es allerdinsg nicht nur um die Sexanklagen. Er versucht auch das zunehmend exzentrischer werdende Benehmen Jacksons zu erklären, seine Verwandlung vom fröhlich lachenden "Schwarzen" in einen allenfalls noch melancholisch lächelnden "Weißen", seine absonderlichen Heiraten, die Krankheiten, die ihn plagten, der so völlig unüberlegte Umgang mit seinem Sohn, den er der jubelnden Menge von einem Hotelbalkon aus zeigte - indem er ihn an den kleinen Ärmchen in die leere Luft hängen ließ. Und die Risenkonzerte, die Jackson noch plante, obwohl seine ganze Entourage wusste, dass er sie niemals durchstehen würde ...

Wirklich lüften kann Jan Halperin das Geheimnis des Superstars, der ihm während seiner Recherchen immer mehr ans Herz wuchs, nicht. Eine Erklärung seines Genies, ein glaubwürdiges Psychogramm dieses einzigartigen Mannes versucht er erst gar nicht, aber vielleicht wäre das auch zu viel verlangt. Was Halperin gelingt, ist die Unschuldsvermutung, das "Im Zweifel für den Angeklagten" - beide sind ja auch im US-Recht verankert - deutlich sichtbar zu machen. Und er zeigt wie unterschiedlich der Umgang mit (möglicherweise) sexuellen Handlungen an Kindern in Europa und Amerika ist.

In den letzten Jahrzehnten sind auf diesem Gebiet auch die europäischen Ansichten strenger geworden. Grundschullehrerinnen warnen kleine Mädchen, nicht zu oft mit dem Vater zu schmusen, beim Sesamstraße-Gucken nicht auf seinem Schoß zu sitzen. Und wenn der nette Onkel öfter mal mit einem Zehnjährigen spielt - nicht nur wilden Fußball im Stadtpark, sondern Video-Games im Schlafzimmer - tja, dann sollte doch jedermann und jede Frau sofort einschreiten. Es könnte ja ...

Könnte es, aber wo in Deutschland erstmal behutsam nachgefragt wird, schlägt Amerika mit der Holzhammermethode zu. Besonders wenn man damit sehr viel Medienaufmerksamkeit gewinnen kann. Oder viel Geld. Und dieser Unterschied ist für mich das Interessanteste an "Unmasked". Echte Jackson-Fans, jene, die ALLES über ihn wissen wollen, werden es vielleicht nebensächlich finden und sich an den vielen Lebensdetails berauschen, die Halperin außerdem aufgedeckt hat. So oder so - spannend ist das Buch über den unmaskierten Michael Jackson auf jeden Fall.

 

Ich habe das Buch gelesen und möchte ...

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